Pressemitteilung 2003/065 vom

Bei Papageienvögeln ist eine sogenannte Circovirusinfektion bekannt, die einhergeht mit Federveränderungen. Jetzt wurden die gleichen Erscheinungen auch bei Rabenvögeln entdeckt.

Das Phänomen konnte erstmals in den Niederlanden im Frühjahr 2001 beobachtet werden. Auf der Unterseite der Schwungfedern von jungen Rabenvögeln, die gerade flügge geworden sind, zeichnet sich ein unregelmäßiges weißes Band ab. Die Vögel sind in einem schlechten Allgemeinzustand, hochgradig abgemagert und zeigen auf den Schwung- und Steuerfedern Stresslinien, sogenannte Grimahle. Die Veterinärmediziner sprechen von einer grossflächigen Depigmentierung der Schwungfedern der Rabenkrähe oder Corvus corone corone bzw. der Saatkrähe oder Corvus frugilegus. Werden die Jungvögel allerdings in Gefangenschaft gehalten, entwickeln sie jedoch nach der ersten Jugendmauserung eine physiologisch einheitlich schwarze Befiederung.

Im Frühsommer des Jahres 2002 wurden auch in Leipzig junge Krähen mit derselben Problematik wie in den Niederlanden als Fundtiere in der Poliklinik für Vögel und Reptilien der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig vorgestellt. Die Vögel zeigten ebenfalls, neben den Farbveränderungen des Schwunggefieders, einen schlechten Allgemeinzustand und Stresslinien.

"Die Bedeutung der Erkrankung ist noch unklar.", erklärt Prof. Dr. Maria-Elisabeth Krautwald-Junghanns, Leiterin der Poliklinik für Vögel und Reptilien. "Aufgrund der beschriebenen und nachgewiesenen Federfarbveränderungen verursacht durch Circovirusinfektionen bei Papageienvögeln, sogenannte PBFD, ist es nicht auszuschließen, dass auch bei den Rabenvögeln eine mögliche Ursache dieser Farbveränderung in einer Circovirusinfektion begründet liegt." Allerdings konnten bisher noch keine Viren mit der üblicherweise benutzten Papageien- und Tauben-Circovirus PCR nachgewiesen werden.

Bei der PCR handelt es sich um die sogenannte Polymerase-Kettenreaktion, mit der Viren direkt nachgewiesen werden können. Dazu werden DNA (Erbgut)-Abschnitte so oft vervielfältigt, bis sie identifizierbar sind. Die Wissenschaftler vermuten nun, dass es sich um ein neues rabenvogel-spezifisches Circovirus handelt, welches gewisse, für den Nachweis aber entscheidende, Veränderungen der Basenpaarsequenz aufweist. Die DNA setzt sich bekanntlich aus Basenpaaren zusammen. Darüber hinaus vermuten die Wissenschaftler, dass auch eine Verschlechterung der Umweltbedingungen, insbesondere Vergiftungen, die das Immunsystem beeinträchtigen, eine Rolle bei der Krankheitsentstehung spielen können.

Mit Spannung sehen die Leipziger Experten der neuen Generation flügge gewordener Krähen entgegen, die im Frühsommer zu erwarten ist. Vielleicht ist man bis dahin einen Schritt weiter bei der Erklärung der Ursachen für die rätselhafte Krankheit.