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Lehre SS 2007
Georg MeggleProfessor für Philosophische Anthropologie und Kognitionswissenschaften, Universität Leipzig
Grundfragen der Erkenntnistheorie Was versteht man unter „Wissen“ und „Erkennen“? Was unter „Erklären“ und „Verstehen“? Was ist „Wahrnehmung“? Wie verhält sich Psychisches zu Physischem? Gibt es überhaupt Objektivität? Ist alle Erkenntnis relativ? Welche Rollen spielen wissenschaftliche Theorien für die menschliche Erkenntnis? Um diese und viele weiteren Fragen geht es – mit seltener Klarheit – in dem Buch von Franz von Kutschera, Grundfragen der Erkenntnistheorie, Berlin/New York (Studienbuch de Gruyter), 1982. In diesem Seminar arbeiten wir uns – mit unterschiedlich großen Schritten – durch dieses Buch hindurch. Elementare Kenntnisse in der Logik werden dazu nützlich sein. Beginn und Referatvergabe: 10. April 07.
Moore's Paradox Mit seinem Verweis auf die Absurdität solcher Äußerungen wie „Zwar ist p der Fall, aber ich glaub’s nicht“ hatte G. E. Moore 1944 in, so Wittgenstein, „ein Wespennest“ gestochen, dessen Wespen (aufgeregte Erklärungsversuche) auch heute noch nicht zur Ruhe gekommen sind. Dieses so genannte „Moor’sche Paradox“ tangiert eine ganze Menge philosophischer Bereiche: Die Logik (speziell die des Glaubens), die Semantik und Pragmatik (speziell die Theorie der Implikaturen und pragmatischen Präsuppositionen), die Unterscheidung zwischen erster- vs. dritter-Person-Perspektive usw. Die Debatte um Moore’s Paradox ist so etwas wie der Probierstein geworden, an dem sich die Brauchbarkeit der verschiedenen logischen, semantischen, pragmatischen etc. Ansätze testen lässt – und zudem ein Beispiel für ein philosophisches Problem, an dem sich analytischer Scharfsinn bzw. begriffliche Spitzfindigkeit (vielleicht gerade wegen seiner ersichtichen Praxisfernde) 'bestens' üben lässt. Was dann freilich viel Geduld und ein überdurchschnittliches Maß an Konzentration voraussetzt. Beides wird auch im Seminar mit Sicherheit nötig sein. Seminar-Grundlage ist der im Frühjahr 2007 erscheinende Band: Michell Green / John N. Williams, Moore’s Paradox, New Essays on Belief, Rationality, and the First Person, Oxford (Oxford University Press), 2007. Das Inhaltsverzeichnis und die Einleitung zu diesem Buch finden Sie hier (pdf-Datei). Beginn und Referatvergabe: Mi 11. April 2007.
Identitäten Identitätsbegriffe bringen viele kniffligen Probleme mit sich. Davon können alle Logiker und analytischen Semantiker ein Lied singen. Quines Diktum „No entity without identity“ streicht die große ontologisch/metaphysische Relevanz dieses Liedes heraus. Nach einem kurzen Überblick über die diversen Typen von solchen allgemeinen Identitätstheorien (in der Vorbesprechung) wenden wir uns (im Blockseminar selbst) den verschiedenen Ansätzen zur Erklärung der Personalen und der Kollektiven Identitäten zu. Bei diesen wird oft nicht klar genug zwischen (i) diachronen vs. (ii) synchronen Identitätsfragen unterschieden: (i) Was darf sich an einer Person P bzw. einem Kollektiv K (nicht) über die Zeit hinweg verändern, damit P bzw. K trotz dieser Veränderungen immer noch P bzw. K ist? Versus (ii): Was macht P bzw. K genau zu dieser Person bzw. zu diesem Kollektiv (in Differenz zu diesen oder jenen anderen)? Klare Begriffe von P- und K-Identitäten (und zwar sowohl im (i)-er als auch im (ii)-er Sinne) fehlen bislang fast ganz. Was können wir tun, um das zu ändern? Philosophen haben sich bisher bezüglich der P-Identitäten meist nur mit deren (i)-Aspekten beschäftigt. Der anspruchsvollste Beitrag dazu ist immer noch Derek Parfit’s Reasons and Persons, Oxford, 1984. Lassen sich Parfit’s Überlegungen auch auf K-Identitäten übertragen? Beiträge zur Kollektiven Identität gibt es zwar viele – aber klare Begriff sind hier bislang ein von vielen (und nicht nur von Philosophen) beklagtes Desiderat. Auf diese Misere hat am breitesten Lutz Niethammer (Kollektive Identität, Heimliche Quellen einer unheimlichen Konjunktur, Reinbek bei Hamburg, 2000) hingewiesen. Geht’s nicht auch etwas konstruktiver? Versuchen sollten wir’s jedenfalls. Nach Ansätzen zur Klärung von (vielleicht ja sehr verschiedenen) Begriffen Personaler und Kollektiver Identitäten zu forschen, dazu sollten die Teilnehmer dieses Hauptseminars selbst in der Lage sein. Je nach (sich so zeigender) 'Forschungslage' legen wir in der Vorbesprechung unser weiteres Vorgehen fest.
Philosophieren für Fortgeschrittene (Werkstattberichte)
Programm
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