


Materialien
Wellenschläge. Kulturelle Interferenzen im östlichen Mitteleuropa des langen 20. Jahrhunderts
Das vorliegende Material entstand als Ergebnis des Projekts „Reflexion kultureller Interferenzräume. Ostmitteleuropa im 20. Jahrhundert", das von 2007 bis 2010 am GWZO Leipzig angesiedelt war. Gefördert worden ist es durch das BMBF im Rahmen des Programms "Geisteswissenschaften im gesellschaftlichen Dialog" unter dem Themenschwerpunkt "Europa – Kulturelle und soziale Bestimmungen Europas und des Europäischen".
Die Untersuchungen kreisten um die Frage, wie Akteure mit der in Ostmitteleuropa langfristig gewachsenen sprachlichen, ethnischen und konfessionellen Pluralität schließlich im 20. Jahrhundert vor Ort umgingen, als diese Strukturfaktoren zum Teil dramatischen Veränderungen ausgesetzt waren. Bewusst hatte sich die international zusammengesetzte und interdisziplinär arbeitende Forschergruppe für solche Orte auf der Landkarte entschieden – Dörfer, Städte, Regionen und Grenzgebiete – deren Geschichte und Kultur sich mit homogenisierenden Kulturmodellen nicht angemessen beschreiben lassen. Gegenstand der Untersuchungen waren Literatur, orale Tradition und visuelle Kultur als Medien, in denen sich kulturelle Interferenzen auf der Zeichenebene niederschlagen.
Die in Einzelstudien analysierten mannigfaltigen Identitätsprozesse werden in dieser Publikation unter der Metapher der kulturellen Interferenz zusammen geführt. Damit sind vielfältige Überlagerungen, Überlappungen und Überschneidungen etwa von symbolischen Ordnungen, Verhaltens- und Wertsystemen oder einfach von diversen Zugehörigkeiten gemeint.
Wissensdatenbank "Nördlich der Donau"
Descriptio civitatum et regionum ad septentrionalem plagam Danubii – diese Lokalisierung der Siedlungseinheiten und Stammesgebiete "am nördlichen Ufer der Donau" leitet die berühmte Völkertafel des Bayerischen Geographen (9. Jahrhundert) ein. Als die älteste detaillierte Bestandsaufnahme des Wissens über die weiten Gebiete des östlichen Europa zeigt sie das Verständnis der Donau als eine Kulturgrenze an, die das durch römische Traditionen geprägte christlichen Europa von den "barbarischen" Gesellschaften im Osten des Kontinents trennt, die noch gentilreligiösen Vorstellungen anhängen. Erst die seit dem 9. Jahrhundert einsetzenden politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Wandlungen formten ein neues Europa: die Basis der Existenz seiner Staaten und Nationen bis heute. Informationen über diesen Formierungsprozess in einem zeitlichen Rahmen, der vom ersten sicheren Nachweis der Slaven in den historischen Quellen des 6. Jahrhunderts bis zu den Mongoleneinfällen im 13. Jahrhundert reicht, enthält die Wissensdatenbank "Nördlich der Donau", in die im GWZO und bei seinen Partnerinstituten gesammelte Materialien unterschiedlichen Charakters einfließen.
Es ist zugleich das erste Online-Projekt des GWZO. Die Datenbank befindet sich im Aufbau; es ist geplant, sie auf etwa 3.500 Lemmata anwachsen zu lassen, gewissermaßen Bausteine, die sich zu einer Gesamtdarstellung des Formierungsprozesses Europas im Osten zusammenfügen. Gegenwärtig handelt es sich um mehr als 200 Artikel, die ergänzt werden durch Karten, Abbildungen und 3D-Objekte. Die Nutzung dieser Internetressource ist kostenfrei, doch sind die Zitierhinweise zu beachten.
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www.uni-leipzig.de/gwzo/wissensdatenbank