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Projektgruppe

Mittelalterliche Grenzregionen im Vergleich

Finanzierung: BMBF
Leitung: Prof. Dr. Christian Lübke (GWZO) und Prof. Dr. Matthias Hardt (GWZO)
Laufzeit: 2011–2013
Beteiligte Disziplinen: Archäologie, Geschichte, Numismatik, Kunstgeschichte 

Kurzbeschreibung

Die mittelalterliche Region Halyč-Volyn, ein Fürstentum der Kiever Rus', zeichnete sich durch ihre strukturelle Offenheit gegenüber den westlichen, anderskonfessionell römisch-katholischen Nachbarn aus, die sich beispielsweise in den dynastischen Beziehungen der Fürsten zu ihren polnischen und ungarischen Nachbarn zeigte; auffällig ist ferner die starke Stellung der Bojaren, die eine selbständige Politik zu betreiben suchten. Das Land fand auch recht früh Anschluss an das gesamteuropäische Phänomen des hochmittelalterlichen Landesausbaus, der das östliche Europa seit dem frühen 12. Jahrhundert erfasste, dabei von der Saale-Elbe-Region aus allmählich nach Osten vordringend, und der etwa Schlesien zu der viel beschriebenen Modellregion des durch den Landesausbau neu geprägten europäischen Osten machte. In dem Projekt sollen die Ausgangsverhältnisse und die Entwicklung hin zu den neuen Strukturen insbesondere im Hinblick auf die grenzüberschreitende Kommunikation (Handel und Verkehr), auf die wirtschaftliche Erschließung des Landes (Besiedlung und Landwirtschaft) und auf die Herausbildung einer Oberschicht, die in den Quellen als Bojaren von Halyč und Volyn hervortreten, untersucht werden. Dabei soll der Vergleich mit Grenzregionen im Westen die Beurteilung der Phänomene, ihre angemessene Einordnung in die europäische Geschichte, erleichtern. Für diesen Vergleich kommt einerseits das Egerland in Frage, eine ursprünglich slavisch besiedelte Landschaft in der östlichen Nachbarschaft Frankens, von woher Wiprecht von Groitzsch zu Beginn des 12. Jahrhunderts Bauern holte, um sie bei dem von ihm gegründeten Benediktinerkloster Pegau für den Landesausbau einzusetzen. Der Landesausbau im Egerland wird insbesondere mit dem Markgrafen Diepold III. in Verbindung gebracht, der 1132 das Zisterzienserkloster Waldsassen gründete, und später sollen die Staufer die Kolonisation durch Reichsministerialen vorangetrieben haben. Eine zweite Vergleichsregion ist die sogenannte brandenburgische Neumark, eine zunächst dünn von Slaven besiedelte Landschaft, deren strategische Bedeutung sich an dem Land und der Burg Lebus zeigt. Mit Beginn des 13. Jahrhunderts begann die Einwanderung niederdeutscher Siedler auf Initiative der pommerschen und polnischen Herrscher, die sich der Orden der Templer und Johanniter bedienten, und schließlich expandierten die Markgrafen von Brandenburg in diese Region.Projektflyer zum Herunterladen

Mitarbeiter der Projektgruppe

Sabine Altmann
Projekt: Die Neumark zwischen Askaniern, Piasten, Schlesien und dem Erzbistum Magdeburg

Dr. Marina Dmitrieva
Projekt: Das Fürstentum Halyč-Volyn' im Spiegel der russisch-imperialen, sowjetischen, polnischen und ukrainischen Archäologie- und Kunstgeschichte

Martina Kotková (abgeschlossen)
Projekt: Die Grenz- und Kontaktzone an Elbe und Saale: Beitrag auf der Grundlage archäologischen Quellenmaterials der Elberegion

Stipendiat der Humboldt-Stiftung

Dr. Marcin Wołoszyn
Projekt: Studien zum Grenzbereich und der Kontaktzone zwischen dem Herrschaftsgebiet der polnischen Piasten und den westlichen Teilen der Kiever Rus' (Fürstentum Halič–Volyn) im 11.–13. Jahrhundert

Aktuelles

Aktivitäten der Projektgruppe

  • Merseburg 1013 - Ein Fürstentreffen von europäischer Dimension. Internationale Tagung aus Anlass des Millenniums des Merseburger Hoftages im Jahr 1013 (Veranstalter: GWZO und Deutsches Historisches Institut Warschau, Ort: Kapitelhaus Merseburg und GWZO, Leipzig, 23.-25. Mai 2013, gwzo-pfeil Programm zum Herunterladen)
  • Panel der GWZO-Projektgruppe "Mittelalterliche Grenzregionen" bei der Annual Convention of the Association for Slavic, East European, and Eurasian Studies (ASEES) unter der Leitung von Dr. Marina Dmitrieva (New Orleans, USA, 15.-18.11.2012)
  • Buchvorstellung „Zwischen Stadt und Steppe. Künstlerische Texte der ukrainischen Moderne" von Dr. Marina Dmitrieva im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur ukrainischen Kultur der ukrainischen Botschaft in Deutschland (Botschaft der Ukraine, Berlin, 18.03.2012)

Publikationen der Projektgruppe

Herausgeberschaft/ Monographien / Sammelbände:

  • Rome, Constantinople and Newly-Converted Europe. Archaeological and Historical Evidence, hrsg. v. Maciej Salamon, Marcin Wołoszyn, Alexander Musin, Perica Špehar in Verbindung mit Matthias Hardt, Mirosław Kruk und Aleksandra Sulikowska-Gąska (U źródel Europy środkowo-wschodniej/Frühzeit Ostmitteleuropas 1, 1), Kraków, Leipzig, Rzeszów, Warszawa 2012.

  • Zwischen Stadt und Steppe. Künstlerische Texte der ukrainischen Moderne aus den 1910er bis 1930er Jahren, hrsg. v.  Marina Dmitrieva, Berlin 2012.

  • Christian Zschieschang, Ernst Eichler: Die Ortsnamen der Niederlausitz östlich der Neiße, Abhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, Philologisch-historische Klasse, Band 81, Heft 6, Stuttgart/Leipzig 2011.

Aufsätze:

  • Sabine Altmann, Grenzüberschreitungen am westlichen Rand Ostmitteleuropas - Die Saale als Grenz- und Kontaktzone zwischen Frankenreich und slawischer Fürstenherrschaft im 9. Jahrhundert, in: Rome, Constantinople and Newly-converted Europe. Archaeological and historical Evidence. Ed. by Macej Salamon et al. Kraków-Leipzig-Rzeszów-Warszawa 2012 (U źródeł Europy Środkowo-Wschodniej/Frühzeit Ostmitteleuropas 1, 1), S. 183-193.

  • Sabine Altmann, Roman Grabolle: Karolinger- und ottonenzeitlicher Burgenbau im Saale-Unstrut-Gebiet und südöstlichen Harzvorland, in: Frühgeschichtliche Zentralorte in Mitteleuropa, Bonn 2011 (Studien zur Archäologie Europas 14), 441-449.

  • Marina Dmitrieva, Zwischen Stadt und Steppe – Einleitung, in: Zwischen Stadt und Steppe. Künstlerische Texte der ukrainischen Moderne aus den 1910er bis 1930er Jahren, hrsg. u. kommentiert v. Marina Dmitrieva. Berlin 2012, S. 9-46.

  • Matthias Hardt, Limites und Marken – frühe Grenzen in Mitteleuropa, in: Christ, Andreas u.a., Beiträge zur Tagung „Entgrenzte Räume ? Konstruktion und Relevanz von Grenzen im Wandel" an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg vom 14. bis 15. Januar 2011, Bamberg 2012, S. 129-149.

  • Matthias Hardt, Frühe Grenzen im Blick der europäischen Mediävistik, in: Rome, Constantinople and Newly-Converted Europe. Archaeological and Historical Evidence, hrsg. v. Maciej Salamon, Marcin Wołoszyn, Alexander Musin, Perica Špehar in Verbindung mit Matthias Hardt, Mirosław Kruk und Aleksandra Sulikowska-Gąska (U źródel Europy środkowo-wschodniej/Frühzeit Ostmitteleuropas 1, 1), Kraków, Leipzig, Rzeszów, Warszawa 2012, S. 55-66.

  • Matthias Hardt, Magdeburg und die Ostgrenze des Frankenreiches, in: Das Miteinander, Nebeneinander und Gegeneinander von Kulturen. Zur Archäologie und Geschichte wechselseitiger Beziehungen im 1. Jahrtausend n. Chr., hrsg. v. Babette Ludowici und Heike Pöppelmann (Neue Studien zur Sachsenforschung Bd. 2), Hannover 2011, S. 173-182.

  • Sabine Altmann, Roman Grabolle: Karolinger- und ottonenzeitlicher Burgenbau im Saale-Unstrut-Gebiet und südöstlichen Harzvorland, in: Frühgeschichtliche Zentralorte in Mitteleuropa, Bonn 2011 (Studien zur Archäologie Europas 14), 441-449.

  • Marcin Wołoszyn, P. Sikora, 981 – Volodímer zog zu den Ljachen und nahm ihre Städte: Peremyšl', Červen und die anderen Städte. Forschungsgeschichte und neuere Untersuchungen zu den Červenischen Burgen, in: Der Wandel um 1000. 18. Jahrestagung des Mittel– und Ostdeutschen Verbandes für Altertumsforschung in Greifswald 2009, 23. bis 27. März 2009, Beiträge zur Ur- und Frühgeschichte Mitteleuropas, 60, hrsg. v. F. Biermann, Th. Kersting, A. Klammt, Langenweissbach 2011, S. 233-248.

  • Christian Zschieschang, Zwischen Böhmen und Sachsen – Mobilität und Wirtschaft im Namenschatz des Früh- und Hochmittelalters, in: Onomastics goes business: Role and Relevance of Brand, Company and Other Names in Economic Contexts, hrsg. v. Holger Wochele,  Julia Kuhn, Martin  Stegu, Berlin 1912, S. 141–160.
  • Christian Zschieschang, Za mroku – hinter der Grenze. Zur Aussagekraft der Ortsnamen östlich der Neiße für die sorbisch-deutsch-polnische Geschichte der Niederlausitz, in:  Serby a Łemki. Etniske mjeńšyny w Bramborskej a Pólskej. Dokumentacija ku goźbje jubileja Šule za dolnoserbsku rěc a kulturu 14. septembra 2012 w Chóśebuzu / Sorben (Wenden) und Lemken. Ethnische Minderheiten in Brandenburg und Polen. Dokumentation anlässlich der Jubiläumsveranstaltung der Schule für niedersorbische Sprache und Kultur am 14. September 2012 in Cottbus, hrsg. v. Maria Elikowska-Winkler, Budyšin/ Bautzen 2012, S. 75–82.

  • Christian Zschieschang, Sprachkontakte an der unteren Neiße im Spiegel der Ortsnamen, in: Interferenz-Onomastik. Namen in Grenz- und Begegnungsräumen in Geschichte und Gegenwart. Saarbrücker Kolloquium des Arbeitskreises für Namenforschung vom 5.–7. Oktober 2006 (Veröffentlichungen der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 43), hrsg. v. Wolfgang Haubrichs,  Heinrich Tiefenbach, Saarbrücken 2011, S. 589–605.

Gastwissenschaftler

 2011

  • Dr. habil. Aleksandr Musin (Институт истории материальной культуры Российской Академии наук/Institut für Geschichte der materiellen Kultur, Russische Akademie der Wissenschaften)
  • Perica Špehar(Arheološki institut, Beograd/Institut für Archäologie, Belgrad) 

Kooperationspartner

  • Institut für Archäologie und Ethnologie der Polnischen Akademie der Wissenschaften, Warschau, Krakau
  • Institut für Archäologie der Universität in Rzeszów
  • Institut für Geschichte der Materiellen Kultur der Russischen Akademie der Wissenschaften, Sankt Petersburg
  • Institut für Archäologie der Serbischen Akademie der Wissenschaften, Belgrad
  • Institut für Volkskunde und Kunstgeschichte der Weißrussischen Akademie der Wissenschaften, Minsk
  • Archäologisches Museum in Split sowie Kroatische Akademie der Wissenschaften