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Forschungscluster

Die folgenden Informationen zu den Tätigkeiten der einzelnen Projektgruppen sind in sachliche Cluster zusammengefasst, die sich an den leitenden Fragestellungen des Forschungsprogramms des GWZO orientieren.

I. Grenzen, Grenzregionen, Grenzüberschreitungen

Die in diesem Cluster angesiedelten Projektgruppen beschäftigen sich mit Phänomenen der Grenzbildung und -überschreitung sowie mit den in diesen Konstellationen zu beobachtenden Elementen des Kulturtransfers. Dabei wird die Donau als Kulturgrenze und als Kommunikationsstrang zwischen Mitteleuropa und dem Schwarzen Meer ebenso thematisiert wie einzelne Grenzregionen und deren Mittlerfunktion zwischen unterschiedlichen Kulturkreisen. In den Projektgruppen arbeiten Archäologen, Historiker, Kunsthistoriker und Philologen (Namenkundler) zusammen. Besonders hervorzuheben ist die starke Resonanz vor allem in Polen, die die Beschäftigung mit der ostpolnisch-russisch-ukrainischen Grenzregion der Červenischen Burgen im GWZO bewirkte.

II. Kunst, Konfession, Repräsentation

Die kunsthistorische Erforschung des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit bildet am GWZO traditionell einen starken Schwerpunkt. Dabei spielt die Herrschaftszeit der Jagiello­nen in den drei historischen "Kernländern" Ostmitteleuropas – Polen-Litauen, Böhmen und Ungarn – mit ihrem steigenden Bedarf an identitätsstiftenden Ausdrucksformen nicht nur an den fürstlichen Höfen, sondern auch in den Städten und Adelssitzen eine wichtige Rolle. Die am GWZO angesiedelten Forschungsprojekte zielen darauf ab, das künstlerische und kultu­relle Schaffen dieser Epoche unter Berücksichtigung der sozial- und wirtschaftsgeschicht­lichen sowie politischen und konfessionellen Hintergründe zu analysieren. Modernisierungs­ansätze entstanden gerade auch im Zusammenhang der Konfessionalisierung, zumal in Fra­gen der Koexistenz in den multikonfessionell geprägten Regionen Ostmitteleuropas. Es wird untersucht, wie die unterschiedlichen Akteure Differenz deuteten, und welche Modelle der Ko­existenz in der politischen, kirchlichen und alltäglichen Kommunikation über einen Zeit­raum vom 16. bis zum 19. Jahrhundert entwickelt und praktiziert wurden.

Ausstellungsvorhaben

Am GWZO werden in Kooperation mit nationalen und internationalen Museumspartnern drei Ausstellungsvorhaben vorbereitet. Diese widmen sich bei jeweils unterschiedlichem Thema der Präsentation des vielfältigen Kunst- und Kulturtransfers und der wechselseitigen Beeinflussung in den inner- und überregionalen Beziehungen Ostmitteleuropas im jeweiligen gesellschaftlich-politischen, religiösen und wirtschaftlichen Kontext. Sie setzen damit die forschungsleitenden Perspektiven des GWZO um und übernehmen zudem Scharnierfunktion sowohl zwischen den im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit angesiedelten Forschungsprojekten als auch zwischen den einzelnen Disziplinen.

III. Ethnische Vielfalt und multinationale Imperien

Viel mehr als im Westen und in der Mitte Europas war die ethnische und nationale Vielfalt ein dominierender Faktor der historischen Entwicklung Ostmitteleuropas. Dabei konturierten und verfestigten sich vom späten Mittelalter bis in die Neuzeit parallel zu verschiedenen Ak­kul­tu­rationsprozessen ethnisch-kulturelle Identitäten auch unter den Bedingungen der sich neu formierenden, Ostmitteleuropa überlappenden Imperien der österreichischen Habsburger und türkisch-arabischen Osmanen, der russischen Romanovs, der schwedischen Vasas und schließlich der preußisch-deutschen Hohenzollern. Auch das sich aus dieser Kon­stellation er­gebende Spannungs- bzw. Anpassungsverhältnis zwischen Nation und Staat gehört zum For­schungsspektrum des GWZO, gegenwärtig in Form der Untersuchungen über die Rolle der Armenier in Ostmitteleuropa und über die direkte Wirkung und indirekte Nachwirkung der zeitweiligen Herrschaft der Osmanen über Teile Ostmitteleuropas.

IV. Nationalisierung, Transnationalisierung, kulturelle Identität

Die in der Neuzeit bis in die Gegenwart verorteten Untersuchungen am GWZO thematisieren Formen der Ausprägung identitärer Elemente in unterschiedlichen Bezugsgrößen. In ihrem breitesten Rahmen sind sie der Geschichte der Transnationalität der Region gewidmet und untersuchen die weltweite Verflechtung Ostmittel­europas. Für die Betrachtung inner- und überregionaler Kulturkontakte wurden Orte und Regionen mit unterschiedlichem Status ge­wählt, die aber jeweils als mehrsprachige Kommunikationsräume Ostmitteleuropas im 20. Jahrhundert gelten können. Auf dem Feld der rechtskulturellen Prägungen der Region werden seit 2009 Formen des Bodeneigentums, des Urheberrechts sowie der Eigentumsrechte in der Industrie in Ostmitteleuropa vergleichend betrachtet und dabei sozial-, kultur-, wirtschafts-, politik- und rechtsgeschichtliche Aspekte berücksichtigt. Als transnationales Identifikationsmuster in verschiedenen kulturell-politischen Kontexten erlebte "Slavizität", dieses in der er­sten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgekommene Identifikationsmuster, auch im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert seine Konjunkturen, die aus den Blickwinkeln verschiedener Disziplinen ana­ly­siert werden. Mit Untersuchungen zu Topographien und Inszenierungsweisen von Gegenöffentlichkeit in Literatur und Kunst Ostmitteleuropas werden schließlich ästhetische Strategien des "Underground" erforscht.