Projektgruppe: Religionsfrieden

Dr. Dietlind Hüchtker

Tolerieren: Grenzen und Leitvorstellungen im Umgang mit Differenz am Beispiel von Religion in den polnischen Teilungsgebieten

RF_Huechtker Collage: Unierte Kirche, Synagoge und katholische Kirche in Przemyśl, Polen

Kurzbeschreibung

Aus einer diachronen Perspektive erscheint der Wandel religöser Koexistenzordnungen seit der Aufklärung grundlegend. Die Begriffe Toleranz und Menschenrechte, naturrechtliches Denken und eine Säkularisierung der Gesellschaft haben, so die Annahme, Religion privatisiert und zu einer persönlichen Einstellung gemacht. Religiöse Gesellschaftslegitimationen verloren an Relevanz, religiöse Differenz ihre fundamentale Bedeutung für Konflikte. Damit jedoch sind, so die Annahme, neue Kriterien der Differenz aufgekommen. Nation und Ethnizität wurden als essentiell, vorhistorisch und naturgegeben konzipiert und zu Ursachen zentraler gesellschaftliche Konflikte und gewalttätige Auseinandersetzungen. Für das 19. Jahrhundert ist dieser Wandel als Sakralisierung der Nation und Nationalisierung des Sakralen gebündelt worden. Dennoch hat, so neuere Forschungsansätze, Religion weder an Konfliktpotential, noch an Deutungsrelevanz eingebüßt. Ausgangspunkt des Projekts ist die Frage, wie soziale Differenz hergestellt und ausgestaltet wird. Dies geschieht am Beispiel von sozialreformerischen Aktivitäten in Galizien. Ausgelotet wird das Spannungsfeld zwischen religiös besetzter Wohltätigkeit und säkular begründeter Gesellschaftsgestaltung in einer polyethnischen und multireligiösen Region.