JuWi2009

Aus Doktorandenvertretung

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Allgemeines

  • Diese Seite sammelt Ideen und Meinungen zu Themen, Formaten, Referenten etc. für den Junge Wissenschaft und Praxis Workshop 2009. Sie wurde begonnen in Vorbereitung für die Diskussion am 25.03.2009.
  • Mittlerweile existiert eine Bekanntmachung der RALeipzig.

Themen

Email von Jan-Ole Reichardt

Ich promoviere in Leipzig (TRM) und in Münster zu einem bioethischen Thema in der Medizin und habe von Euren Plänen eines wahrheitsfokussierten Seminars erfahren. (Abgesehen davon habe ich auch am letzten S-N-Seminar teilgenommen). Vor meiner Promotionsphase habe ich in Leipzig Philosophie und Wissenschaftstheorie studiert und unterstütze Eure Pläne zu diesem Seminar ausdrücklich. Entsprechend bin ich auch gerne bereit, Euch weiter zu coachen oder einen Beitrag zum Seminargelingen zu leisten.

Als Referenten empfehle ich Euch unbedingt Prof. Thomas Bartelborth, den Wissenschaftstheoretiker aus Leipzig, der bestens geeignet wäre, ein entsprechendes Blockseminar im Alleingang durchzuziehen - wenn wahrscheinlich auch nicht dazu bereit - oder doch?!? Mit ihm die Konzeption des Seminars abzusprechen wäre definitiv ein Gewinn. Da wir solche Leute bei uns an der Uni haben, käme ich mir als potentieller Referent auch albern vor, denn Bartelborth kennt diesen Bereich wie seine Westentasche - naja, er IST seine Westentasche, während ich mich z.T. neu einarbeiten müsste. Unabhängig davon, ob Ihr ihn gewinnen könnt oder nicht, schlage ich Euch aber folgenden Grob-Ablauf eines Seminars vor:

(i) Historische Rekonstruktion der Idee der "Wahrheit": Beginn bei antiken Wahrheitskonzeptionen als Antwort auf epistemische Fragen und Nachvollzug, welche Schwierigkeiten man sich mit ihnen jeweils eingehandelt hat. Daraus ergibt sich dann, warum bestimmte Neuerungen eingeführt wurden. Über deren Schwierigkeiten und die jeweils erfolgte Ausbesserung kommt man zu den gegenwärtig favorisierten Interpretationen (insbesondere der Korrespondenz als definierendem Prinzip nebst Kohärenz als Prüfkriterium auf Vorliegen dieser Korrespondenz).

Dieser Block dürfte sich in 4 Stunden abhandeln lassen. Schwieriger wird dann die Frage der

(ii) Theorieentwicklung / -verfeinerung / -revolution (bei Inkohärenzen): Die Art und Weise ihrer Modifikation, bayesianistisches Handling, alternative qualitative Methoden, Ad-hoc-Hypothesen-Handling, Entscheidung zwischen alternativen Theorien, Erklärungsstärke, usw.

Dieser Block ist recht umfangreich und m.E. schwieriger nachzuvollziehen. 4 weitere Stunden sollten hier zumindest fürs Gröbste reichen.

(iii) Wahrhaftigkeit Nun kommt die Ethik ins Spiel - als Anforderung an die Wissenschaft Praktizierenden. Literaturgrundlage (B. Williams: Truth & Truthfullness). Ehrlichkeit und kontextabhängige Anstrengung bei der Wahrheitssuche sind hier die Schlüsselbegriffe. Selbsttäuschung, Diskurs, Vertrauenswürdigkeit, usw. Hier sind folgende Probleme verortet: Drittmittelverzerrte Theorieproduktion, Unglaubwürdigkeit ganzer Wissenschaftszweige aufgrund weitreichender Interessenverquickung (Pharma).

Hier sind 2-4 Stunden Pflicht.

(iv) Anwendung des Gelernten auf konkrete Fragen / Situationen Diesen Teil stelle ich mir interaktiver vor. Hier werden dann z.B. folgende Fragen besprochen: statistische Behauptungen; quantentheoretische Phänomene; Darwin vs. "Intelligent Design"; religiöse Thesen; Mathematik, mathematische Beweise, Computerbeweise in der Mathematik; Soziologie, Mikro- & Makrofundierte Soziologie, Verhalten von Gruppen in nicht reproduzierbaren Kontexten;...

Hier wären noch einmal 4 Stunden fällig und m.E. auch sinnvoll investiert.

ERGEBNIS: Nach einem solchen 2Tages-Marathon durch die Wissenschaftstheorie und -Praxis sollten die Teilnehmer in der Lage sein, folgende Aussagen klug richtigzustellen:

"Wahrheit? Ist doch eh alles relativ!"; "Du hast Deine Wahrheit, ich habe meine Wahrheit!"; "Aus theologischer Sicht sieht das so und so aus!"; "In den hochgradig konstruierten Kontexten gesellschaftlichen Miteinanders ist ein dogmatisches Wahrheitskriterium nicht zielführend!"...

Sie sollten in der Lage sein, Wissenschaftlichkeit als Ethos ihrer Arbeit zu begreifen, mit Inhalt füllen zu können und übliche Bedrohungsszenarien wissenschaftlicher Tätigkeit zu identifizieren.


Auch wenn ich es für geboten halte, dass jeder Wissenschaftler ein ganzes Seminar zu jedem der vier Blöcke absolviert, bietet die Zuspitzung auf den Kern auch viele Chancen, so dass ich Euer Konzept gerne unterstütze (allemal auch besser als nix!). Und wenn im Lauf des Seminars Ausbaubedarf festgestellt wird, kann ja dort weiter angesetzt werden.

Das war's erst mal von meiner Seite aus, bei RückFragen erreicht Ihr mich über eine meiner Mail-Adressen, herzliche Grüße aus Agadir, Marokko,

Jan-Ole Reichardt


UNIVERSITÄT LEIPZIG Translationszentrum für Regenerative Medizin (TRM-Leipzig) Philipp-Rosenthal-Straße 55, D-04103 Leipzig

Phone: +49 (0) 341 - 60 45 850 Mobile: +49 (0) 163 - 639 28 82 Email: joreichardt@trm.uni-leipzig.de Skype: jan-ole.reichardt Mail: Forststr. 5, 04229 Leipzig, Germany


Referenten

  • Prof. Thomas Bartelborth, Wissenschaftstheoretiker, Leipzig

[25.03.2009]: vgl. die Auflistung im Protokoll vom 25.03.2009

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